Fußballclubs sind wie Unternehmen

Es ist wirklich ein Katzenjammer, wenn man derzeit die Mannschaft von Hannover 96 bei der Arbeit erlebt. Keine Motivation, kein Selbstbewusstsein, keine Gemeinsamkeit. Und entsprechend sind die Ergebnisse.  Aber das noch viel größere Problem spielt sich in dem Bereich rund um die Mannschaft herum ab, der für die mentale Einstellung zu sorgen hat. Da gibt es viele Parallelen zu schlecht geführten Unternehmen. Schauen wir uns mal zwei davon an.

Zunächst war da die Verpflichtung eines neuen Trainers, Thomas Schaaf. Ich lasse mal ganz bewusst seine Qualifikation und die seines Vorgängers außen vor, weil das wirklich nicht das Kernproblem ist. Sondern zu glauben, dass durch die Auswechslung des Spitzenpersonals die inneren Probleme eines Unternehmens, oder eben eines Fußballclubs, beseitigt würden, ist an Naivität nicht zu überbieten. So etwas zeigt doch überhaupt nur Wirkung, wenn es einhergeht mit grundsätzlichen Veränderungen. Zum Beispiel mit einem anderen Blick der Führung auf die Mannschaft, mit dem Verstehen, was die Mitarbeiter, oder eben die Spieler, umtreibt, womit oder mit wem sie sich identifizieren. Es ist doch völlig egal, welchen Antreiber ich an den Spielfeldrand stelle, der wild gestikulierend den Spielern zuschreit, welchen Schritt sie als nächstes gehen müssen. Solange er ihnen nicht beibringt, wie sie selbst, einzeln und als Mannschaft das Spiel erfolgreich gestalten können, solange wird sich nichts ändern. Und einen solchen Trainer hat man bei Hannover 96 nicht geholt, weil die Clubführung eben nicht begriffen hat, was der Unterschied zwischen einem Antreiber und einem Motivator ist. Motivation verlangt, die Menschen zu erreichen. Und das wird jemand von außen, mit einem Ruf wie Donnerhall und 30 Jahre älter als die Mannschaft, kaum zuwege bringen.

Das zweite war die Verpflichtung eines erfahrenen Torjägers. Mit Hugo Almeida wurde ein Mittdreißiger geholt, der enorme Erfahrung hat und in der Vergangenheit beachtliche Erfolge. Ein Superstar, jedenfalls für Hannoversche Verhältnisse. Auch in Unternehmen greift man mitunter dazu, einen Überflieger einzustellen. Meist führt das dazu, dass die anderen nun erst einmal abwarten und zuschauen, wie er es richtet. Sonderlich aktiv werden sie dadurch nicht. Müssten sie aber, um ihn zu unterstützen, denn ohne das Team ist auch der größte Zampano nichts wert. Also verpufft seine Wirkung relativ schnell. Und was macht der Überflieger? Er wirft der Mannschaft mangelnde Unterstützung vor. „Mit solchen Pfeifen um mich herum kann das ja nichts werden!“ Und das führt dazu, dass die Frustration und die Verunsicherung in der Mannschaft noch größer werden.

Was wäre also zu tun? Das gleiche wie in jedem Unternehmen. Zunächst muss man mal die Situation der „Hinterbühne“ analysieren, also all die Themen untersuchen, die zu dem schwammigen Bereich der Unternehmenskultur gehören. Erst wenn man darüber Klarheit hat, kann man sich mit der Frage beschäftigen, wer für die Lösung dieser Probleme die richtige Personalie ist. Und dann findet man den neuen Manager, oder eben Trainer vielleicht sogar im eigenen Umfeld. Da gibt es garantiert Leute, die Zugang zur Mannschaft haben. Und das ist das Wichtigste! Beispiele für den Erfolg eines solchen Vorgehens gibt es in einigen Unternehmen und in letzter Zeit auch in einigen Bundesligaclubs.

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