Organisation zum Schutz des Kerngeschäfts

Viele Konzernbetriebe, Sites oder Standorte stehen vor einem Problem, das im Prinzip für alle gleich ist. Sie müssen die umfangreichen Anforderungen der Konzernzentralen erfüllen. Da werden immer mehr und immer detailliertere Berichte fällig, die dem Informationsbedürfnis von Mitarbeitern der Konzernzentrale dienen. Projekte werden initiiert und vorangetrieben, die für den Konzernbetrieb, der sie nahezu allein abwickeln muss, keinen nennenswerten Nutzen bringen. Die Ressortgewaltigen in den Zentralen fordern eng getaktet Telefonkonferenzen und Präsenzmeetings, um sich über den Fortgang zu informieren.

Alle diese Aktivitäten nehmen zu. Aus der Sicht der Konzernzentralen haben sie sicherlich durchaus ihre Berechtigung. Und so entsteht neben dem eigentlichen Geschäftsfeld des Standorts ein neues, das „Geschäftsfeld Konzernbefriedigung“. Die Konzernzentrale beschäftigt sich nicht nur mit sich selbst, sondern trägt die Bürokratie in die Standorte und in die Niederlassungen. Unmittelbare Folgewirkungen sind Frustration und Demotivation bei den Mitarbeitern an der Basis.

Die unausweichliche Konsequenz: Der Konzern verblödet.

Auf diese Weise verspielt er die möglichen Vorteile seiner Größe, Marktdominanz, Kapitalmacht und Innovationskraft. Dem eigentlichen Kerngeschäft werden beträchtliche Ressourcen entzogen. Vertrieb und Produktion müssen sich um Dinge kümmern, für die sie nicht vorgesehen sind, die aber auch kein anderer machen kann. Gegenwehr ist zwecklos. Wer die Forderungen der „Hofschranzen“ nicht erfüllt, verschlechtert seine Karrierechancen, riskiert eventuell sogar seinen Job. Konzernbürokratie hat den Status einer Naturgewalt.

Und doch gibt es für die Konzernbetriebe Möglichkeiten, mit dieser Naturgewalt zurechtzukommen. Bei zahlreichen Organisationsentwicklungs-Projekten ist es gelungen, das Kerngeschäft des Standorts gegenüber der Zentrale abzuschirmen. Dabei helfen solche organisatorischen Kniffe wie „Single Point of Contact“, ausgefeilte Meetingstrukturen und Dashboards sowie eine wallartig aufgebaute Peripherieorganisation zum Schutz der Kernbereiche. So kann das „Geschäftsfeld Zentralenbefriedigung“ bedient werden, ohne die Leistungsbereiche von ihrer eigentlichen Arbeit abzuhalten. Wir nennen das den Aufbau einer Schutzorganisation.

Nähere Auskünfte gebe ich gern im persönlichen Gespräch.

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