Motivation kann man finden, nicht herstellen

Motivierte Mitarbeiter sind eine feine Sache. Jeder möchte sie haben. Je nachdem, wen man zur Situation im Unternehmen fragt, bekommt man Einschätzungen zwischen „unsere Mitarbeiter sind hochmotiviert“ und „geht gar nicht“. Mitunter stecken hinter den Antworten verborgene Absichten. Die einen wollen die Situation beschönigen, weil sie sich selbst dafür verantwortlich fühlen. Die anderen wollen Motivations- und Incentiveprogramme  haben oder verkaufen.

Motivation hat zwei Gesichter, mindestens

Viel häufiger jedoch sind unterschiedliche Dinge gemeint, wenn über Motivation geredet wird. Da gibt es auf der einen Seite das ganze Spektrum von Anreizsystemen, von der Entlohnung bis zur persönlichen Anerkennung und Wertschätzung. Zweifellos schafft das Motivation, obwohl man es streng genommen tatsächlich alles in die Kategorie Manipulation einordnen könnte. Es läuft nämlich nach dem Muster „eigentlich will ich ja nicht, aber wenn ich dies oder jenes bekomme, dann mache ich es“. Handlung entsteht, weil Menschen dafür etwas bekommen, was sie dringend benötigen (z.B. Geld) oder zu benötigen glauben (z.B. Anerkennung). Sie sind im Müssen-Modus. Aber eigentlich, so richtig aus ihrem Inneren heraus, wollen sie selbst das Geforderte nicht wirklich machen. Das wäre dann der Wollen-Modus. Hier handeln sie aus eigenem Antrieb, folgen ihrem ganz persönlichen Sinn.

Der Wollen-Modus spart Geld, schafft Innovation und vermeidet Stress

Beide Modi sind in der Arbeitswelt zu beobachten. Vorherrschend ist allerdings immer noch der Müssen-Modus. Die ganze Motivationsindustrie ist darauf eingestellt, bietet unzählige Lösungen und Programme und schiebt ihn immer in den Vordergrund. Klar, denn Menschen im Wollen-Modus brauchen keine Motivationsprogramme. Für Unternehmen wäre das ideal. Einerseits könnten sie Unmengen an Geld einsparen, wenn die Mitarbeiter alle im Wollen-Modus arbeiteten. Außerdem wären diese dann viel kreativer, würden von sich aus die Initiative für Verbesserungen ergreifen, nach neuen Märkten Ausschau halten und neue Produkte auf die Beine stellen. Und diese Eigeninitiative wird im härter werdenden Wettbewerb immer wichtiger, überlebenswichtig. Für Unternehmen gibt es also tausend Gründe, dass die Mitarbeiter im Wollen-Modus sind. Und für die Mitarbeiter auch, denn im Wollen-Modus bleibt man gesund. Burn-out wird zum Fremdwort.

Wie kommt man vom Müssen zum Wollen?

Nun muss man an dieser Stelle realistisch bleiben. Nicht jede Arbeit, die verrichtet werden muss, trifft die Sinnvorstellungen der Menschen. Aber es gibt in jeder Arbeitssituation Themen, an denen das, was für den Einzelnen Sinn macht, ankoppeln kann. Häufigstes Beispiel: Jeder möchte, dass die Arbeit störungsfrei läuft und dass er keinen Stress mit Kollegen bekommt. Das macht für ihn Sinn und dafür ist er bereit, etwas zu tun, sich Gedanken zu machen und sich einzusetzen. Dabei ist er im Wollen-Modus. Und hier muss man ihn machen lassen, was in vielen Firmen durchaus nicht Normalität ist. Ich beobachte immer wieder, dass die Möglichkeiten, Menschen in den Wollen-Modus zu bringen, bei weitem nicht ausgeschöpft werden. Dabei ist es ganz einfach:

  1. Fragt die Menschen, was für sie Sinn macht.
  2. Stellt den Zusammenhang zu den Unternehmenszielen her.
  3. Lasst sie machen! 

Den Schlüssel dazu hat das Management in der Hand. Er heißt Dialog! Mit Gesprächen findet man heraus, was Menschen wollen. Und dann kann man überlegen, ob diese Ansatzpunkte mit den Alltagsnotwendigkeiten in eine sinnvolle Übereinstimmung gebracht werden können. Das klappt nicht immer, aber häufiger als zunächst angenommen. Lassen Sie uns daran arbeiten, denn es lohnt sich allemal.

Für Interessierte: 

Mehr dazu findet man in meinem Buch "schlau statt perfekt", Kapitel 6. Außerdem bietet die Komplexitätswerkstatt die Möglichkeit, sich in dieser Richtung zu qualifizieren.

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