Rezensionen

In der Einführung kündigt der Autor Stefan Fourier an, eine Denkanleitung für Manager, Führungskräfte, Unternehmer und Unternehmensberater zu schreiben. Dazu spricht er drei Aspekte an: Grundlagen der Systemtheorie, die aktive Gestaltung und Steuerung von Veränderungsprozessen in Unternehmen und hilfreiche Modelle für die Führung von Organisationen, Teams und Menschen.

Fourier verzichtet explizit darauf, seine Theorien und Modelle in den wissenschaftlichen Kontext einzuordnen und arbeitet ohne Verweise. Einziger Hinweis: Die Terminologie stützt sich auf die Theorie sozialer Systeme nach Niklas Luhmann. Ebenso gibt es keine Hinweise auf verwendete Quellen, sondern eine Liste mit Literaturempfehlungen.

Das Versprechen, nicht akademisch daher zu kommen, hält Fourier also ein. Ein bisschen Vokabel lernen gehört dennoch dazu: Worte wie Axiom und Autopoiesis gehören nicht gerade zum Alltagswortschatz. Wer sich darauf einlässt ab und zu weniger gebräuchlichen Vokabeln zu begegnen, bekommt hier schwere Kost leicht verdaulich angerichtet.

Der Autor erklärt einleuchtend wie er systemische Phänomene versteht: Dass Systeme sich selbst organisieren, dass sie komplex sind, und diese Komplexität sich von der Zahl und Verschiedenheit ihrer Elemente und Elementtypen und der zwischen ihnen möglichen vielfältigen Wechselwirkungen ergibt.

Seine Erkenntnis: Systeme, z. B.  Unternehmen oder Teams, reagieren überraschend, unvorhersehbar und immer wieder anders. Für den Menschen liegt die Schwierigkeit darin, dass er – um in diesem Chaos zu überleben – nach Vereinfachung streben muss. Am Ende stehen sich zwei Dinge im Weg: Auf der einen Seite das Streben nach Vereinfachung, um die Situation durchdringen und beherrschen zu können, auf der anderen Seite die Tatsache, dass Vielfalt und Komplexität notwendig sind, um Innovation und Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Seine Theorien und Modelle zieht der Autor aus der Beobachtung realer Unternehmensprozesse. Er möchte dazu beitragen, dass seine Leser ihre Angst vor Veränderung abbauen und Phänomene – aus dem Wissen um sie – steuern können. Anders gesagt: Worauf wir vorbereitet sind, das wirft uns nicht mehr um, und wir können ganz anders damit umgehen.

Genau das leistet Fourier mit seinen Theorien und Modellen. Sie helfen zu verstehen, wie Systeme die Menschen darin beeinflussen und die Menschen die Systeme, in denen sie sich bewegen. Gruppendynamische Prozesse und Verhalten von Menschen in Teams werden klarer. Mit Hilfe seiner Betrachtungen lassen sich Verhaltensweisen anderer wie auch das eigene Verhalten analysieren und besser verstehen.

Fazit: Leicht lesbar, gut strukturiert, kurz (81 Seiten im A4-Format), hilfreiche Schaubilder. Ein Appetit-Happen für alle, die sich gerne mit interessanten und nützlichen Gedanken auseinandersetzen und dabei ohne die Einordnung in den Kontext des Fachgebiets auskommen.

Martina Boden, August 2009