Auf einfache Weise große Wirkung erzielen

Gerade bei Menschen in Verantwortung genießen in unserer Gesellschaft Perfektion, Terminstress und ein umfangreiches Arbeitspensum hohes Ansehen. Die allgegenwärtige Überforderung hat einen Grund: Eine stetig wachsende Komplexität.

Der Autor Stefan Fourier, langjährig erfahrener Business Consultant und Mentor, ist sich dieser Dramatik bewusst geworden und hat die Erkenntnis als Anlass genommen das Buch „schlau statt perfekt – Wie Sie der Perfektionismusfalle entgehen und mit weniger Aufwand mehr erreichen“ zu schreiben, welches vom Schreibstil auf angenehme Art in die Rubrik Literarisches aus der Businesswelt passen würde. Im lockeren Erzählstil wird dem Leser plausibel gemacht, „warum 80 Prozent ausreichen und was das mit Komplexität zu tun hat“.

Das Inhaltsverzeichnis ist sehr überschaubar in 9 Kapitel eingeteilt die durch ihre Überschriften schon neugierig machen, z.B. Schlau statt perfekt – Warum Perfektionismus eine Sackgasse ist, oder An den richtigen Schrauben drehen – Wie man auf einfache Weise große Wirkung erzielt.

Fourier bietet zu Beginn eine sehr anschauliche Begriffsklärung zum Thema Komplexität und Perfektionismus an. Danach kommt der Leser schnell zum Kern der Sache. Fouriers Aussage „Der neue Manager muss auch Sozialarbeiter sein“ macht seine Blickrichtung mehr als deutlich. „Die Menschen meistern Komplexität, nicht die Maschinen.“ Und was der Mensch alles mit seinem Handeln beeinflussen kann, sagen die Überschriften aus: „Wie Kommunikation funktioniert, oder eben nicht“, „Motivation – Das uralte Thema vom Müssen und Wollen“ oder „Warum Sinnentwicklung Gemeinschaftsarbeit sein muss.“

Mit diesen Themen reagiert der Autor gleichzeitig auf den aktuellen Stand der Forschung zum Zusammenhang zwischen Führung und psychischer Gesundheit. Grundsätzlich können Führungskräfte über eine gesunde Selbstführung und die Gestaltung der Arbeits-bedingungen auf die Gesundheit der Beschäftigten Einfluss nehmen. Eine Führungskraft kann nur so gut „gesund führen“, wie es die betrieblichen Rahmenbedingungen ermöglichen. Und diese gilt es im ersten Schritt zu erkennen und im zweiten Schritt das eigene Handeln dahingehend zu verändern.

„Es gibt keine schlechten Mitarbeiter, nur schlechte Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen.“

Das Ungewöhnliche an dem Buch sind genau diese zwei Ansatzpunkte für den Umgang mit der Komplexität. Fourier formuliert den ersten Ansatz so: „Wir müssen die Welt als soziales System verstehen…. , denn wir gewinnen große Gestaltungsmöglichkeiten zur Verbesserung unserer Wirkung in allen Belangen und zur persönlichen Entlastung“. AHA! Ein ganzheitlicher Erkenntnisprozess als Voraussetzung für Veränderung. Das setzt sich schon mal ziemlich weit ab von den sonst so üblichen Patentrezepte – Ratgebern wenn es um Veränderung geht. Kapitel 2 macht dazu neugierig auf mehr: „Verstehen, was die Welt antreibt – über echte Erfolgsfaktoren und wie man sie aktiviert“. Der Autor stellt dem Leser dazu viele leicht verständliche Modelle zur Verfügung, die die komplexe Realität von sozialen Systemen in einfachen Worten beschreiben.

„Der zweite Ansatzpunkt liegt in uns selbst.“ Das hört sich ganz simpel an, aber jeder weiß, dass es viel einfacher ist, sich über andere aufzuregen und von denen zu verlangen, sie sollten sich doch gefälligst mal verändern.

Zwei Besonderheit des Buches machen es leicht, mit beiden Ansätzen in der eigenen Praxis zu arbeiten: Nach jedem Kapitel werden die Essenzen eines Kapitels auf einer Seite zusammenfassend dargestellt. Wer jetzt im Veränderungsprozess als erstes das eigene System (seine eigene Firma / Firmenkultur) für sich verstehen und analysieren möchte, kann diese Seiten fast wie eine Checkliste durcharbeiten mit der Frage: Was muss ich alles beachten, wenn ich Veränderungen gezielt anstoßen möchte?

Wer grundsätzlich etwas an seinem eigenen Handeln verändern möchte findet im letzten Kapitel „Das Fitnessprogramm fürs Chaos“ viele spannende Übungen, z.B. das Führen eines Reflexions-Tagebuchs und tolle Reflexionsfragen, z.B. Welche meiner Tätigkeiten waren heute zweifelsfrei sinnvoll?, denn bei Veränderung gilt: „Wissen allein reicht dafür nicht – wir müssen handeln!“

Fazit: Unbedingt lesen! Empfehlenswert vor allem als bereichernde Urlaubslektüre für gestresste Manager.

Maren Schleiff, Amazon, April 2016

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