Schlau statt perfekt

Wir stehen alle unter Stress! Der Beruf fordert uns über die Maßen, Chef, Kollegen und Kunden holen das Letzte aus uns heraus und danach sollen wir neben unseren ganzen Hobbys auch noch gute Eltern sein? Das ist einfach zu viel … aber offenbar ein weit verbreitetes Problem in der heutigen Zeit.

Das vorliegende Buch verspricht Abhilfe, also immer her damit auch wenn ich mich selbst längst nicht mehr zu den Betroffenen zähle. Und der Autor hat nach wenigen Seiten schon die Antwort parat wie man aus diesem System herauskommt: Gar nicht!

Ist ja nett. Das Leben reibt uns also auf und machen können wir nichts dagegen? Ausser um Himmels Willen NIEMALS in der Leistung nachzulassen und weiterhin bloß keinen Input zu verpassen?

Dieses Buch hat mich schon nach dieser Aussage derart verärgert, dass ich es fast zur Seite gelegt hätte. ABER … ich habe mittlerweile genug Erfahrungen mit mir und meinen Resonanzen zu Buchinhalten, dass ich es nicht getan habe. Denn oft verhelfen mir gerade die Bücher die mich ärgern zu einem Impuls der sich hernach gut nutzen lässt.

Und tatsächlich, auch wenn der Autor der Meinung ist dass man aus diesem System nicht herauskommt – kommt man natürlich schon – so hat er doch ein ganzes Buch voller Anregungen wie wir damit besser zurechtkommen.

Und die sind gar nicht so übel. Es geht nämlich nicht um so abgedroschene Dinge wie Zeit- und Selbstmanagement sondern es geht darum, zu verstehen warum das System so ist wie es ist, es geht um die Frage nach dem Sinn (wenn auch rudimentär), es geht um das Verstehen und intelligente Nutzen von sozialen Systemen und um mentale Fitness.

Und das alles hat sogar mir einige wertvolle Impulse vermittelt, denn der Autor hat offenbar wirklich Erfahrung mit der Umsetzung seines Weges, das merkt man beim Lesen deutlich. Auch wenn sich die Beispiele sicherlich aus den Highlights seiner Tätigkeit rekrutieren, so zeigen sie doch was alles möglich ist wenn man ernsthaft an sich und seinem Team arbeitet.

Wer weiß, wenn das die richtigen Leute lesen und verstehen, bekommen sie möglicherweise wirklich ein paar mehr Mitarbeiter vom müssen ins wollen.

Ob seine Methoden wirklich etwas bewirken können oder nur kurzfristige Lichtblicke in das Leben der abhängig Beschäftigten bringen, ohne nachhaltige Erfolge zu erzielen, vermag ich nicht zu beurteilen. Dazu bin ich schon zu lange aus diesem System raus – zum Glück, denn auch mit viel Mühe wäre ich auf diesem Wege kaum noch ins „wollen“ zu bekommen …

Das Buch finde ich dennoch nicht schlecht, für alle die noch drin sind, im System. Und wer beruflich nichts ändern kann oder möchte, der kann das Prinzip jederzeit ins Freizeit- und Familienleben übernehmen, denn auch dort gibt es in der Regel viel Potential für Verbesserungen.

Gerhard Zirkel, www.der-buchleser.de, Januar 2016

» zurück zu allen Rezensionen