Motivation beginnt ganz klein - wie man viele Ideen generiert

Wie findet man bei den vielen Menschen, die im Arbeitsprozess nicht intrinsisch motiviert sind, den Knopf, bei dessen Betätigung sie aus ihrer Routine, bisweilen aus ihrer Frustration, erwachen und Ideen und Initiative entwickeln. Realistischerweise muss man sagen, dass diese Fragestellung auf 60 bis 80 Prozent aller Beschäftigten zutrifft. In kleinen Unternehmen liegen wir dabei eher an der Untergrenze (manchmal tatsächlich sogar darunter), in Großunternehmen an der Obergrenze. Es betrifft also tatsächlich eine Vielzahl der Mitarbeiter, vor allem der unteren Hierarchieebenen und ist – positiv ausgedrückt – ein riesiges Potenzial.

Nun gab es nach meiner Ankündigung so viele Rückfragen, dass ich meine Pläne geändert habe und Sie nicht mehr bis Oktober auf die Folter spannen will. Schließlich könnte es ja um sehr viel Geld gehen, wenn Sie, sagen wir mal allein bei 100 Ihrer Mitarbeiter diesen Knopf einen Monat früher betätigen und jeder von denen dann in diesem Monat durch irgendeine Initiative 100 Euro einspart oder zusätzlich erwirtschaftet. Sind dann schon mal schlappe 10.000 Euro. Eine weitere Hochrechnung spare ich mir jetzt.

Kommen wir also jetzt zur Lösung des Rätsels, was die einfachen Mitarbeiter – und zwar alle – so stark interessiert, dass es sie vom Schemel reißt, ihre Gehirne in Bewegung setzt und sie mehr tun lässt, als das Übliche. Das sie also, praktisch wie von selbst, aus dem MÜSSEN-Modus in den WOLLEN-Modus übergehen. Die Lösung ist ziemlich simpel:

Die Leute wollen in Ruhe ihre Arbeit machen!

Nichts wünscht sich der Werker so sehr, als dass er morgens seine Maschine anschalten kann und diese dann störungsfrei durchläuft bis zum Feierabend. Selbstverständlich von Pausen unterbrochen, in denen er sich mit seinen Kollegen unterhalten kann, auch störungsfrei. Der Schreibtischarbeiter möchte gerne an der Ausarbeitung, die er morgens beginnt, bis zur Fertigstellung dranbleiben können. Er will störungsfrei arbeiten und möchte alle Informationen und Zuarbeiten, die er dafür braucht, auch in ordentlicher Qualität und zum richtigen Zeitpunkt bekommen. Die meisten Menschen lieben nun einmal Ruhe und Gleichmäßigkeit. Störungen und Neuerungen beunruhigen sie. Nur wenige finden Freude an Veränderung und großartigen Ideen. Sie wollen einfach in Ruhe ihre Arbeit machen!

Als ich das kürzlich einem jungen HR-Manager erzählte, erntete ich heftigen Protest. „Ja aber (wenn ein Satz schon so anfängt!) wo bleibt denn dann die Kreativität? Jeder hat doch Potenzial!“ Na klar, fragt sich nur, womit man das abrufen kann. Eher weniger dadurch, dass man einem ehemaligen Realschüler etwas von Industrie 4.0 erzählt, von Kaizen, Kanban oder Prozesskennziffern und Leistungsdaten. Eher wird es gelingen, ihm Vorschläge zur Verbesserung seines Arbeitsalltags zu entlocken, wie er seine Arbeit einfacher und störungsfreier machen kann. Weil dort sein primäres Interesse liegt. Er will nicht die Welt umkrempeln, sondern seine Ruhe haben.

Möglich, dass wir das nicht sonderlich inspirierend finden. „Was sind das nur für Leute!“ mag da mancher stöhnen. Es sind genau die, die wir haben. Und jetzt kommt es: Eine gute Führungskraft schafft es, diese Mitarbeiter genau an dieser Stelle zu packen. Ihnen klarzumachen, dass es darum geht, für sie die Arbeit einfacher, bequemer und entspannter zu machen. Dabei hilft der Führungskraft kein Slogan oder irgendeine ausgefeilte Motivationsmethode. Sie braucht praktische Intelligenz, denn sie muss das Ziel des Einzelnen – in Ruhe zu arbeiten – mit den Vorteilen für die Firma verbinden. Sonderlich schwierig ist das nicht, denn auch für die Firma ist es gut, wenn die Arbeit gleichmäßig und störungsfrei läuft. Und an dieser Stelle decken sich die Ziele, es entsteht Sinn.

Für die Firma sind das allemal geldwerte Vorteile. Schauen Sie sich mal die Ergebnisse des betrieblichen Vorschlagswesens an, wenn es denn funktioniert. Dann haben mehr als 80 % der Vorschläge einen Nutzen unter 1.000 Euro, aber in der Summe machen sie einen beträchtlichen Anteil am Ergebnis aus. Die vielen kleinen Vorschläge bringen außerdem Bewegung ins kollektive Denken. Und nach und nach zieht man den einen oder anderen Mitarbeiter auf diese Weise sogar aus seiner Trägheit heraus, und er macht dann vielleicht mit der Zeit auch Vorschläge, die auf andere, anspruchsvollere Ziele gerichtet sind. Wenn man will, dass die Pflanzen in den Himmel wachsen, muss man mit den Erdarbeiten beginnen. Wer aus KVP geniale Vorschläge haben will, muss zunächst dafür sorgen, dass viele kleine Verbesserungen entstehen.

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