Vom MÜSSEN zum WOLLEN - eine Herausforderung an die Führungsintelligenz

Wie bekommt man mehr Menschen aus dem MÜSSEN-Modus in den WOLLEN-Modus? Mit dieser Frage endete mein letzter Blogeintrag. Heute dazu einige Gedanken.

Zunächst sollte man sich darüber klarwerden, was Menschen eigentlich wollen. Das ist nämlich ziemlich vielfältig. Führungskräfte neigen dazu, eigenes Wollen, die eigenen Ziele, Vorlieben und Interessen auch den Mitarbeitern zu unterstellen. „Ist doch klar, dass meine Leute Probleme lösen wollen, für die Firma durchs Feuer gehen, gerne arbeiten und voll motiviert sind. So wie ich selber eben.“

Das ist jedoch meist ein großer Irrtum. Menschen interessieren sich zunächst einmal hauptsächlich für sich selbst und ihr unmittelbares Umfeld, Familie, enge Freunde. Sie wollen Freude erleben, gesund sein, sich mit anderen Menschen austauschen, Liebe und Freundschaft erleben, interessanten Hobbys nachgehen und immer genügend Geld in der Tasche haben. Darin sehen sie SINN. Nur wenn sie all dies zusammen – oder zumindest das meiste davon – in der Firma verwirklichen können, dann sind sie im WOLLEN-Modus. Ansonsten arbeiten sie für die Firmenziele, weil sie müssen, aus Pflichtbewusstsein oder weil alle es tun. Aber ihr Herz schlägt woanders.

Motivation (im Sinne des WOLLEN-Modus) kann man nicht erzeugen, denn sie ist schon da. Sie richtet sich zu großen Anteilen nur leider oft auf Dinge, die außerhalb der Arbeitswelt liegen. Eben genau dahin, wo Freude, Gesundheit, Liebe und Freundschaft offensichtlich verortet sind – in der Freizeit. Dort sind viele Menschen im WOLLEN-Modus und vollbringen mit Freude und voll entfalteter Motivation die erstaunlichsten Dinge.

Menschen im WOLLEN-Modus haben das Gefühl der Selbstbestimmtheit – ein wichtiger Punkt. Sie tun das, was sie selbst wollen. Deshalb sind sie genau dafür voll motiviert. Jede Vorgabe, auch wenn sie noch so nett verpackt daherkommt, wird tief innen als Fremdbestimmung empfunden. Man macht es, weil der oder die Vorgesetzte es vorgegeben hat. Es bleibt Fremdbestimmung, auch wenn es noch so logisch begründet, psychologisch geschickt vermittelt und mit diversen Vorteilen verbunden wurde. Insbesondere die jüngere Generation – in großer Freiheit aufgewachsen – hat für Vorgaben feinste Antennen.

Wenn ich also als Vorgesetzter bei den Mitarbeitern die Motivation des WOLLEN-Modus freilegen will, dann muss ich mich ganz konsequent auf die Position des einzelnen Mitarbeiters begeben. Ich muss herausfinden, was für ihn SINN macht, für ihn oder sie ganz persönlich! Und dann muss ich schauen, ob sich dieser SINN, diese ganz persönlichen Zielvorstellungen und Wünsche, die oft in der persönlichen Lebenshaltung wurzeln, mit den Zielen des Unternehmens oder meinen eigenen als Vorgesetzter verbinden lassen. Gibt es da irgendwo Übereinstimmung? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem persönlichen Ziel des Mitarbeiters und den Notwendigkeiten im Unternehmen?

Es ist eine wahre Intelligenzleistung, die hier vom Vorgesetzten verlangt wird. Rezepte taugen dazu nicht, sondern man muss sich in jedem Einzelfall Gedanken machen. Ganz klar, dass das nicht immer zum gewünschten Resultat führt. Nicht jedes Menschen Ziele und Sinnvorstellungen finden sich in den Unternehmenszielen wieder oder lassen sich darin einbauen. Macht ja nichts. Auch im MÜSSEN-Modus oder in einem Zustand zwischen Müssen und Wollen, vielleicht aus Einsicht in bestimmte Notwendigkeiten und Erfordernisse, leisten Menschen respektable Arbeit. Aber es gelingt viel öfter als wir zunächst vermuten, diese Übereinstimmung herzustellen. Und dann brennen diese Menschen für das, was sie tun, bringen Höchstleistungen, sind innovativ und in höchstem Maße motiviert.

Im nächsten Blogeintrag werde ich einige konkrete Beispiele bringen. In denen der WOLLEN-Modus erfolgreich erreicht wurde. Freuen Sie sich darauf!

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