Was sollen wir wählen und warum überhaupt?

Verfasst am 15.09.2009 um 11:16:58

Da hatten wir nun ein Kanzlerduell. Was können wir daraus lernen?

  1. Handwerkliches: Das Format ist für das Gelingen einer solchen Sendung entscheidend. Durch die Konstellation dieser Sendung und die Platzierung der Teilnehmer (4 - 2) entstand zwangsläufig eine Opposition zwischen den Journalisten und den Kandidaten. Die Kandidaten wurden schon allein dadurch in die Einigkeit gepresst. Ich hatte Fernsehleute für geschickter gehalten.
  2. Egoistisches: Jeder der Journalisten wollte "zum Schuss" kommen, für sich und seinen Ruhm. In einigen Passagen wurde deshalb das Nachfragen peinlich. Die Chance, beim Thema Steuern mal etwas an den Kern zu kommen, wurde verspielt, weil da bereits der nächste Jounalist ran musste, wie vorher offenbar abgesprochen. Also: Glattes Versagen der Interviewer!
  3. Politisches: Es gibt kaum Unterschiede zwischen den Kandidaten. Das ist eigentlich auch logisch, denn wer regiert, hat in Wirklichkeit nicht so viele Handlungsoptionen. Warum wird das nicht ausgesprochen und endlich mal kapiert?
  4. Grundsätzliches: Beide Kandidaten sind mit ihren Antworten den Fragen der Journalisten gefolgt. Diese waren auf Details fixiert und manchmal ziemlich billig. Keiner der Kandidaten konnte sich aufraffen, diese Fragen in Frage zu stellen, die Journalisten an ihre Verantwortung zu erinnern und eine Diskussion über Grundsätzliches zu fordern und zu führen. Das wäre z.B. gewesen: Werte und Werthaltungen in der Gesellschaft, eine wirkliche Vision für Deutschland, Perspektiven für die Menschen, vor allem für die Jungen. Haben die Kandidaten dazu keine Ideen oder haben sie sich nicht getraut?

Kurz nach der Sendung war ich etwas verzweifelt, weil ich nun wieder nicht wusste, wen ich eigentlich wählen soll, Merkel oder Steinmeier? Alle anderen, die da noch auf dem Wahlzettel rumstehen werden, kommen ja eh nicht in Frage. Die können alle nur Opposition und Rumräsonieren und das kann Deutschland nun wirklich nicht gebrauchen.
Inzwischen sehe ich das etwas anders. Wenn sich beide so einig sind, ist das doch eigentlich nicht schlecht, zumindest nicht fürs Regieren. Und im Grunde genommen haben sie es doch ganz gut gemacht! Zumindest sehe ich niemanden, der es besser gekonnt hätte. Also bleiben wir doch am Besten bei der Großen Koalition mit im Wesentlichem diesem Personal. In einem Unternehmen werden doch erfolgreiche Führungsmannschaften auch nicht ausgewechselt.
Da gibt es nun aber ein Dilemma: Man lässt mich nicht die Große Koalition wählen! Sie steht nicht auf dem Wahlzettel. Egal, wo ich mein Kreuzchen mache, ich kann nicht das bestimmen, was ich eigentlich am Besten fände. Warum soll ich dann eigentlich wählen?
Die Frage haben sicher viele. Eine Option wäre, nicht hinzugehen.
Ich habe für mich entschieden:

  • Ich gehe zur Wahl!
  • Ich mache ein GROßES KREUZ!

 

Kommentare

wie immer, klar analysiert und treffend zusammengefasst. Über die Frage, der Wählbarkeit von Koalitionen, lohnt sich wirklich nachzudenken. Dadurch könnten auch die Protestwähler "entlarvt" werden.